Klare Kante zeigen

Ein Kommentar von Pfarrer Wolfram Stockinger

Die Weinwandertage in Kraichtal sind eine großartige Idee und für Kraichtal und die Winzer ganz wichtig und an sich eine gelungene Veranstaltung. Es geht einzig um die Wahl des aus christlicher Sicht unglücklichen Termines Karwoche/Palmsonntag. Die Karwoche heißt auch „Heilige Woche“, sie ist uns Christen heilig, weil es da um Jesu Sterben und Tod geht, weil wir da die Mitte und der Höhepunkt unseres Glaubens feiern.
Es wird dagegen argumentiert, dass an Ostern und Pfingsten viele Festlichkeiten und Märkte sind. Ja, das ist richtig, ist aber etwas ganz anderes. Ich bin kein großer Historiker, aber ich weiß, dass viele dieser Märkte einen christlichen Ursprung haben. An diesen christlichen Feiertagen hat man nach den Festgottesdiensten die Auferstehung Jesu (Ostern) oder das Kommen des Heiligen Geistes (Pfingsten) in den Märkten und Festen bei Wein, Bier, Essen und Tanz weitergefeiert. Das „Kirchliche“ war mit dem „Weltlichen“ verbunden, das eine gab dem anderen die Hand bzw. hat sich ergänzt und trat nicht in Konkurrenz. Heute ist das oft anders; kirchliche Traditionen finden immer weniger Anklang, umso mehr tut es heute Not, dass Christen, da wo es darauf ankommt, klar Kante zu zeigen. Christsein heißt schon immer Mitglied einer „Kontrastgesellschaft“ zu sein, für die es sich aber lohnt, nicht alles mit zu machen, was der „Markt“ so bietet. Jeder Christ darf da in aller Freiheit selber entscheiden, meint Pfarrer Wolfram Stockinger